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Gips - mehr als weißes Pulver
 
 
Fotografie der Villa Albrecht Meier
 
Werbegraphik der Kutzhütte II
 
 
 
Grenzen der Verwendung von Gips

Fritz Reinboth

Trotz der interessanten Versuche der Walkenrieder Gipsfabrik bleibt die Wasserlöslichkeit ein Problem auch des Hochbrandgipses. Mit der Verwendung von Gips im Fundament der Walkenrieder Klosterkirche, das unmittelbar im Grundwasserbereich der Wieda steht, war der Untergang dieses Bauwerks auch ohne den Vandalismus der revoltierenden Bauern 1925 vorprogrammiert. Bei Fundamentuntersuchungen zeigten sich an den verbliebenen Mörtelresten die typischen Laugnäpfchen, wie sie auch aus Gipshöhlen und kleineren Lösungshohlräumen bekannt sind. Ausgestellte Deckenstücke einer im Rösebergsteinbruch aufgeschlossenen Schichtfuge zeigen die gleichen Laugnäpfe. An der Klosterkirche wurden bereits zu Beginn des 20 Jahrhunderts die durch Auflösung des Gipsmörtels bedingten Senkungen dokumentiert, was die Denkmalpfleger um 1975 aber nicht an dem riskanten Versuch hinderte, wegen einer von ihnen willkürlich angenommenen Pfahlgründung durch Aufstauen der Wieda den Grundwasserspiegel zu erhöhen.

Mit Zement wird Gipsmörtel zur Zeitbombe

Wenn mit Gipsmörtel errichtete Gebäude mit Portlandzement ausgebessert werden und wie meist in altem Gemäuer Feuchtigkeit hinzukommt, bildet sich das Treibmineral Ettringit (der sog. Zementbazillus). Ettringit ist nach dem Ort Ettringen in der Eifel benannt, wo es als nat¸rliches Mineral vorkommt.

Jedes Molekül dieses Doppelsalzes kristallisiert mit 32 Molekülen Wasser. Infolgedessen kommt es zu einer extremen Volumenzunahme, welche den Verband des Mörtels völlig zerstört.

Dieses gefährliche Verhalten wurde zuerst 1892 durch Wilhelm Michaelis (1840-1911) beschrieben. Trotzdem wurden besonders in den 70er und 80er Jahren des 20. Jahrhunderts viele mit Gipsmörtel errichtete Baudenkmäler in bester Absicht mit Zementinjektionen „saniert“. Betroffen waren z. B. die Kirche in Zorge, die Blasiikirche in Nordhausen, die Marienkirche in Wolfenbüttel, die Johanniskirche in Lüneburg, die Runneburg bei Weissensee und andere Bauwerke vor allem in Norddeutschland, wo ja bis ins 19. Jahrhundert viel mit Gipsmörtel gemauert wurde. Diese Irrtümer verursachten irreparable Schäden.
 
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