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Gips - mehr als weißes Pulver
 
 
Fotografie der Villa Albrecht Meier
 
Werbegraphik der Kutzhütte II
 
 
 
Dis historische Nutzung von Gips als Mörtel

Fritz Reinboth

Gips besteht aus Kalziumsulfatmolekülen mit je 2 Molekülen Kristallwasser. Durch Erhitzen wird ein Teil des Kristallwassers ausgeschieden. Setzt man dem „gebrannten“ und gemahlenen Gips wieder Wasser zu, so bindet er ab, d. h. wird wieder fest. Gegenstand unserer Ausstellung sind weniger die heutigen als die historischen Brennverfahren. Bis ins 19. Jahrhundert wurde der Rohgips vielfach noch in Meilern gebrannt. Das Resultat war ein Gemisch von sog. Hochbrandgips (der sehr langsam abbindet), totgebranntem und schwach gebranntem Gips. Der Gehalt an Hochbrandgips bewirkt trotz der primitiven Technik einen dichten, sehr verwitterungsbeständigen Mörtel. Dieses Material fand schon im Mittelalter auch für kunstvolle Estrichbˆden Anwendung, z. B. in den Klosterkirchen St. Ludgeri in Helmstedt und in Ilsenburg.

Gleichmäßiger war der in Schachtöfen gebrannte Gips, der bis ins 20. Jahrhundert vor allem als Estrichgips verwendet wurde. Die Schachtöfen wurden u. a. von dem Walkenrieder Gipsfabrikanten Albrecht Meier zu großer Perfektion entwickelt. In unserer Gipsausstellung ist eine Reihe originaler Konstruktionszeichnungen von Meier zu sehen.

Eine jüngere Entwicklung ist der sog. Harzer Kocher. Seine Urform ist die Brenntechnik der Stukkateure, die den vorher zu Pulver zerstoßenen Gips in kleinen Kupfer- oder Eisenkesseln über einem offenen Feuer bei Temperaturen um 200 Grad Celsius gar brannten. Dieser Stuckgips bindet relativ rasch ab („Schnellgips“). Der Harzer Kocher übertrug diese Technik ins Große. Die Juliushütte galt mit 12 Harzer Kochern vor ihrem Konkurs als größtes Gipswerk Deutschlands, die Kutzhütte betrieb 9 und das Gipswerk Sachsenstein 5 Harzer Kocher.

Die Harzer Kocher als von unten beheizte Eisenkessel hatten etwa 2 m Durchmesser und waren mit einem Rührwerk versehen, um einen gleichmäßigen Brand zu erzielen. Durch den ausgetriebenen Wasserdampf wallte das Gipspulver vor dem Garwerden förmlich auf; dabei wurde viel Staub mitgerissen. Die Umgebung der Gipswerke war deshalb völlig mit Gipsstaub überpudert.

Alle Gipsprodukte wurde früher in Jutesäcken, zuletzt aber in Papiersäcken (offene Säcke und sog. Ventilsäcke) an den Verbraucher geliefert. Marmorzement wurde auch in Fässern versandt. Das in Walkenried ausgestellte Gipsfass stammt aus der Walkenrieder Gipsfabrik (Leihgeber: K. Helbing). Das alte Firmenzeichen der Fa. Börgardts zeigte einen Zeppelin, an dem ein Fass mit der Aufschrift „Marmorcement“ hängt (drolligerweise ist auf dem Fass ein verschnürter Sack abgebildet). Die Gipswerke beschäftigten deshalb eigene Böttcher. Später bezog man von der Fa. Mende (Teichhütte) Spanfässer in verschiedenen Größen.
 
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