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Gips - mehr als weißes Pulver
 
 
Schwalbenschwanzkristalle aus Steigerthal
 
Grottenstein (Igelsumpf bei Woffleben)
 

 
Gips als Mineral

Fritz Reinboth

Ideal ausgebildete Gipskristalle sind meistens in Tonschichten  zu finden. Die Exponate stammen aus Wiesloch in Baden, Helmstedt und Klein-Schöppenstedt bei Braunschweig. Verwachsungen mehrerer Kristalle sind häufig.

Gipskristalle neigen zur Zwillingsbildung. Berühmt war das Vorkommen bei Steigerthal, wo eine ganze Schicht aus solchen Kristallzwillingen bestand. Es handelt sich  um sogenannte „Pariser Zwillinge“ oder „Montmartre-Zwillinge“, für welche die gekrümmten Außenflächen charakteristisch sind und die deshalb volkstümlich meist als Schwalbenschwanzkristalle bezeichnet werden. Die Spaltrisse der beiden Kristallindividuen bilden dabei einen einen bestimmten Winkel; bei einem anderen Zwillingstyp (von dem ebenfalls ein Beispiel ausgestellt ist) verlaufen sie parallel.

Andere kristalline Formen des Gipses sind Kristallrasen aus der Lüneburger Saline, die aus kleinen Zwillingen bestehen, Fasergips und Marienglas, d. h. kristalliner Gips ohne ausgebildete Kristallgestalt. Die Hauptbegrenzungsflächen des Marienglases, das in der Spaltbarkeit nur vom Glimmer übertroffen wird, sind Spaltflächen. Große monokristalline Blöcke aus Marienglas wurden vor allem in den jüngeren Zechsteingipsen gefunden, wie z. B. im Steinbruch Salzmann bei Öhrde.

Größere lagerartige Marienglasvorkommen z. B. im Alten Stolberg wurden unter dem Lokalnamen Glintzespat in zahlreichen kleinen Gruben (Ziegenlöcher, Spatenberghöhle, Glintzespathöhle) bergmännisch gewonnen. Aktenmäßige Belege über die Verwendung fehlen. Möglicherweise wurde daraus Gips für Stukkateure gebrannt. Ein Mahlen war nicht nötig, da Marienglas beim Erhitzen zu Pulver zerfällt. In neuerer Zeit (1. Weltkrieg) wurde ungebranntes, gemahlenes Marienglas als Talkumersatz verwendet, um das Festkleben von Teerpappe auf den Walzen zu verhindern (nicht - wie im Internet zu lesen - zum „Besanden“, was ja wegen der Wasserlöslichkeit völlig unsinnig wäre).

Fasergips findet sich lagenweise in Tongesteinen, wobei die einzelnen Fasern senkrecht zu den Begrenzungsflächen angeordnet sind. Sein zuweilen geradezu seidiger Glanz hat dem Fasergips auch den Namen Seidenspat gegeben. Das Grundwort Spat ist sowohl beim Glintzespat als auch beim Seidenspat ein altes Synonym für Gips (Näheres darüber weiter unten).
 
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